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Lebensstil-Regeln

Nicht jede Spielerin und jeder Spieler möchte über jeden Kreuzer, den ihr oder sein Held während eines Abenteuers ausgibt, Buch führen. Es kann für Spieler lästig sein, bei einem Tavernenbesuch für einen Becher Wasser oder bei einem Einkauf von Obst und Gemüse auf dem Markt etwas von der Barschaft abzuziehen. In einigen Gruppen spielen die Kosten des alltäglichen Lebens nur eine untergeordnete Rolle und für diese sind die hier vorgestellten Lebensstil-Regeln eine gute Wahl. Auch für Kampagnen, wo die Helden an einem festen Ort leben und möglicherweise noch neben ihrer Heldenkarriere einem ordentlichen Beruf nachgehen, können die vorliegenden Regeln nützlich sein, um Ausgaben und Einnahmen übersichtlich zu halten. Beim Spiel mit Lebensstilen wird einem Held ein Lebensstil zugewiesen, der alle seine Kosten für die Dinge des täglichen Lebens abdeckt. Dies sind z. B. die Kosten für normale Kleidung, seine Wohnung oder Besuche in Gasthöfen oder Tavernen.

 

Aspekte des Lebensstils

Jeder Lebensstil ist mit einer Handvoll an Aspekten versehen, die Auskunft darüber geben, was ein Held sich innerhalb eines bestimmten Zeitraums leisten kann. Folgende Aspekte gibt es: Wohnung, Nahrung, Kleidung, Körperpflege, Vergnügen, Reisen und Personal. Nachfolgend findest du eine kurze Beschreibung, um was es bei diesen Aspekten geht. Bei der späteren Beschreibung der Kategorien des Lebensstils sind Beispiele für die jeweiligen Aspekte genannt. Ja nach Region oder Hintergrund musst du die Aspekte an deine Kampagne anpassen, aber die Beispiele vermitteln einen guten Überblick, was alles mit einer entsprechenden Kategorie abgedeckt wird.

Wohnung: Unter den Bereich Wohnung fällt die dauerhafte Unterkunft eines Helden. Dabei kann es sich z. B. um eine Mietswohnung oder um ein großes Haus handeln.

# Nahrung: Was steht einem Helden als Nahrung pro Tag zur Verfügung?

# Kleidung: Dieser Aspekt beschäftigt sich mit dem Vorrat an unterschiedlicher Kleidung und aus welchen Materialien sie üblicherweise besteht.

# Körperpflege: Wie oft kann ein Held ein Bad nehmen und kann er sich weitere Körperpflege leisten?

# Vergnügen: Hier sind Theater- und Tavernenbesuche und andere vergnügliche Aktivitäten aufgelistet und wie oft sie stattfinden können. Auch Bücher, Briefe und Spielzeug fallen unter diese Kategorie.

# Reisen: Wenn ein Held eine kleine Reise unternimmt (hier ist explizit keine langfristige Abenteuerreise gemeint), so gibt diese Kategorie an, welche Unterkunft er sich leisten kann.

# Personal: Das Personal eines Helden kann ihm bei verschiedenen Aufgaben behilflich sein, kostet aber entsprechend Geld, welches der Lebensstil abdeckt).

 

Was gehört nicht zum Lebensstil?

Größere Anschaffungen, etwa Waffen, Rüstungen, Reittiere, magische Artefakte, alchimistische Zutaten, Ausgaben für weitere Häuser, Burgen (die vom Lebensstil nicht umfasst sind) usw. gehören nicht zu den Kosten, die die Lebensstil- Regeln abdecken.

 

Lebensstil-Kategorien

Die einzelnen Lebensstile haben wir nachfolgend in sechs verschiedene Kategorien eingeteilt: elend, karg, annehmbar, reichlich, üppig, luxuriös. Je besser ein Lebensstil ist, desto mehr kann ein Held dafür erwarten, aber desto teurer ist er auch. Jede Kategorie hat eine Stufe, die später für den Erwerb des Lebensstils noch eine Rolle spielt. Beispiele für die verschiedenen Aspekte verdeutlichen, was man sich für den entsprechenden Lebensstil leisten kann.

Elend
Stufe I
Wohnung: Der Held wohnt entweder auf der Straße oder in einer Scheune.
Nahrung: einmal täglich; meistens Grütze, Brot und Suppe; Wasser und Dünnbier; alles, was dem Helden gespendet wird.
Kleidung: ein Satz zerlumpter Kleidung aus billigen Stoffen, manchmal Schuhe
Körperpflege: Bad im Fluss oder Meer, mal ein rostiges Messer zum Rasieren
Vergnügen: alles, was nichts kostet
Reisen: entweder zu Fuß oder auf einem Karren, Übernachtung unterwegs im Freien
Personal: keines

Karg
Stufe II
Wohnung: kleine Hütte, Absteige oder eine Dachkammer
Nahrung: zweimal täglich; Brot, Grütze, Gemüse, Suppe; Wasser, Dünnbier, billiger Wein
Kleidung: ein Satz einfache Kleidung aus Leinen, meist geflickt, dazu ein Satz einfache Kleidung im besseren Zustand, für Feste und besondere Gelegenheiten
Körperpflege: einmal wöchentlich ein Bad im Zuber, Tuchschere zum Haare scheiden, billiges Rasiermesser
Vergnügen: ein bis zweimal in der Woche ein Besuch in der Taverne
Reisen: entweder zu Fuß, im Karren oder mit einem Maultier, Übernachtung unterwegs im Schlafsaal
Personal: keines

Annehmbar
Stufe III
Wohnung: Mietwohnung oder ein kleines Miethaus mit 4 Zimmern
Nahrung: zweimal täglich; Brot und Grütze, dazu Fleisch mit Gemüse; Bier und etwas besserer Wein
Kleidung: zwei Sätze Alltagskleidung (für Sommer und Winter) aus Leinen und Wolle, dazu ein Satz Kleidung für Feste und besondere Gelegenheiten aus Feinleinen oder vergleichbaren Stoffen
Körperpflege: tägliche Rasur mit gutem Rasiermesser, jeden zweiten Tag ein Bad im Zuber, einmal wöchentlich Besuch im Badehaus
Vergnügen: drei bis viermal in der Woche ein Besuch in der Taverne; einmal monatlich Besuch eines Immanspiels, der Arena, eines Theaters oder Bordells
Reisen: entweder zu Fuß oder per Postkutsche, Übernachtung unterwegs im Mehrbettzimmer
Personal: Knecht/Magd oder Lehrling

Reichlich
Stufe IV
Wohnung: eigenes kleines Haus oder große Wohnung mit 6 Zimmern
Nahrung: dreimal täglich, Fisch, Fleisch und Gemüse; passende Weine
Kleidung: drei Sätze gute Kleidung, ein Satz Festtagskleidung aus guten Stoffen
Körperpflege: tägliches Bad und Rasur, davon bis zu dreimal im Badehaus, einmal monatlich beim Friseur
Vergnügen: täglicher Besuch einer Taverne oder eines Speiselokals, zweimal monatlich Besuch eines Theaters oder Edelbordells
Reisen: Mietkutsche, Übernachtung unterwegs im Einzelzimmer
Personal: ein bis zwei Gesellen oder Hausdiener, dazu
eine Handvoll Lehrlinge oder Knechte/Mägde

Üppig
Stufe V
Wohnung: Landhaus oder Villa mit 12 Zimmern
Nahrung: dreimal täglich, Fisch, Fleisch und Gemüse und eine teure Delikatesse; passende Weine und Spirituosen
Kleidung: ein Dutzend Sätze gute Kleidung, zwei Festtagsgewänder aus Seide oder Brokat
Körperpflege: tägliches Bad und Rasur mit wohlriechenden Ölen, wöchentlicher Besuch beim Friseur
Vergnügen: mehrmals pro Woche zum Theater, zum Konzert oder zur Jagd, eigene/r Mätresse/Gesellschafter
Reisen: eigene Kutsche, Übernachtung im Doppelzimmer
Personal: kleines Gefolge, darunter gutbezahlte Fachleute wie Verwalter oder Falkner, ein Dutzend Bedienstete und etliche Knechte und Handlanger

Luxuriös
Stufe VI
Wohnung: Burg oder Palast, eine weitere Villa mit 20 und mehr Zimmern
Nahrung: pro Tag drei bis fünfmal Delikatessen, edelster Wein
Kleidung: diverse Kostüme aus Seide, Spitze und Brokat für alle Anlässe
Körperpflege: eigenes Badegemach samt Leibbarbier, edelstes Duftwasser, Badeöl und Seife
Vergnügen: einmal im Monat ein eigener Ball, mehrmals wöchentlich Treffen mit der Loge, Theater- und Konzertbesuche, edelste Speiselokale, eigene/r regional bekannte/r Mätresse/Gesellschafter
Reisen: Prunkkutsche, Küstensegler, Einzelzimmer im Luxuszimmer
Personal: kleiner Hofstaat

 

Stammeskulturen

Auch Helden aus einer Stammeskultur wie Nivesen, Fjarninger oder Mohas können einen Lebensstil pflegen. Aufgrund ihrer Versorgungsgrundlagen in der Wildnis ist ihr Lebensstil in der Sippe meist karg oder annehmbar. Stufen darunter oder darüber sind äußerst selten und kommen normalerweise nur bei Ausgestoßenen oder reichen Schamanen oder Häuptlingen vor.

 

Lebensstil erwerben

Irgendwie muss ein Lebensstil finanziert werden. Grundlegend gibt es zwei verschiedene Ansätze, wie die Helden die Kosten für einen Lebensstil tragen können:

Jeden Monat muss ein Held die Kosten in Höhe der in der Tabellen Kosten des Lebensstils pro Monat angegebenen Silbertaler bezahlen. Die Bezahlung wird immer am 1. Tag eines Monats fällig (die Namenlosen Tage werden dabei ignoriert).*
[* = Ja, das bedeutet, dass man sich zu Spielbeginn ohne den Vorteil Reich nur maximal einen reichlichen Lebensstil leisten kann. Oder alternativ AP dafür ausgeben muss.]

Neben dieser direkten Einzahlung in den Lebensstil kann ein Held den Vorteil Einkommen wählen, um ihn zu finanzieren. Er muss keine weiteren Kosten in Form von Silbertalern mehr bezahlen. Dafür hat er schließlich AP ausgegeben. Dieser Vorteil zählt nicht gegen das Maximum von 80 AP für Vorteile.

Kosten des Lebenstils pro Monat

Lebensstil Kosten pro Monat
Elend 0 Silbertaler
Karg 50 Silbertaler
Annehmbar 150 Silbertaler
Reichlich 500 Silbertaler
Üppig 1.500 Silbertaler
Luxuriös 5.000 Silbertaler

Steigender und sinkender Lebensstil

Der Lebensstil kann während des Heldenlebens steigen oder sinken. Sollte ein Held mehr Geld in seinen Lebensstil stecken als erforderlich, so kann der Lebensstil erhöht werden. Dazu muss die Summe für den höheren Lebensstil aus der Tabelle Kosten des Lebensstils pro Monat gezahlt werden. Der neue Lebensstil gilt ab dem 1. Tag des Monats, an dem die Kosten übernommen wurden. Es ist möglich mehrere Stufen zu überspringen, z. B. von karg auf üppig. Sollte ein Held nicht genug Geld investieren können, um seinen Lebensstil zu halten, so rutscht er auf den Lebensstil, den er sich noch leisten kann. Dies kann bedeuten, dass er mehrere Stufen verliert. Beim Einsatz des Vorteils Einkommen ist der Lebensstil fest erworben und kann nicht ohne weiteres sinken oder steigen. Wenn der Spieler dies aber wünscht, so kann er entsprechende AP für einen besseren Lebensstil investieren oder bekommt AP wieder zurück, wenn sein Lebensstil fällt. Diese Möglichkeit sollte mit dem Meister abgesprochen werden. Veränderungen des Lebensstil sollten insbesondere durch Ereignisse im Spiel begründet werden (abgebranntes Zuhause, neue große Einnahmequelle, usw.).

 

Verschuldung für Lebensstil

Helden können sich verschulden, wenn sie ihren Lebensstil behalten wollen. Sie können die Kosten 1 Monat lang ignorieren. Eine Bank, ein Wucherer oder Mäzen hat die Kosten übernommen. Dafür müssen sie beim nächsten Mal die doppelten Kosten + 10 % zahlen. Die eine Hälfte und die 10 % sind für Kredit und Zinsen. Sollte diese Zahlung ebenfalls nicht eingehalten werden, so kann der Held nochmals um einen Monat verlängern, wenn ihm eine Probe auf Handel (Feilschen) gelingt. Jeden Monat wird die Probe um 1 schwerer. Die Kosten steigen entsprechend und von der neuen Gesamtsumme werden wieder die 10 % fällig. Sobald die Probe misslingt, will derjenige, der das Geld geliehen hat, es sofort zurück, andernfalls muss der Held Konsequenzen befürchten. Konsequenzen können z. B. ein Trupp Schläger, Kopfgeldjäger oder Gardisten sein, die dem Helden zu Leibe rücken. Weiteres Geld gibt es nicht mehr und einen neuen Kreditgeber zu finden sollte sich schwierig gestalten und nur mittels erschwerter Proben auf Gassenwissen (Ortseinschätzung) funktionieren.

Sozialer Stand und erwarteter Lebenstil

Stufe Erwarteter Lebensstil
Stufe 1 karg
Stufe 2 annehmbar
Stufe 3 reichlich
Stufe 4 üppig
Stufe 5 luxuriös

Abweichende Aspekte

Möchte ein Held in einem oder zwei Aspekten von der gewählten Kategorie des Lebensstils abweichen, so sollte sein Spieler dies mit der Meisterin besprechen und die monatlichen Kosten ändern. Mehr als zwei Aspekte dürfen so aber nicht verändert werden. Dies kann zum einen Kosten sparen, zum anderen dem Helden etwas mehr Luxus zukommen lassen. Eine Erhöhung einer Kategorie um eine Stufe kostet 30 % mehr, eine Senkung um eine Stufe spart 5 % ein. Allerdings kann dies dazu führen, dass über den Helden Gerüchte entstehen. Wer eigentlich einen annehmbaren Lebensstil pflegt, sich aber beim Aspekt Kleidung auf karg beschränkt, gilt schnell als geizig. Wer einen kargen Lebensstil aufweist, aber beim Aspekt Nahrung auf dem Niveau von üppig lebt, dem wird hinter vorgehaltenem Mund oft Betrug oder andere Verbrechen vorgeworfen. In all diesen Fällen kann dies situationsabhängig zu einem Malus von –1 CH auf die erste Teilprobe bei Gesellschaftstalenten führen (ausgenommen Einschüchtern, Menschenkenntnis und Willenskraft).

 

Helden auf Reise

Üblicherweise sind Helden selten länger in ihrer Heimatstadt, sondern reisen durch Aventurien. Das führt dazu, dass sie normalerweise keiner geregelten Beschäftigung nachgehen und auf das angewiesen sind, was sie während ihrer Abenteuer erbeuten oder als Belohnung erhalten. Ein Lebensstil für einen reisenden Helden ist also dementsprechend schwer aufrechtzuerhalten, wenn er nicht über ein Erbe oder feste Einkommensverhältnisse verfügt. Darüber hinaus kommt er selten an diese festen Einnahmen, da er auf Reisen ist. Grundlegend sollte die Spielrunde entscheiden, ob der Lebensstil auf Reisen aufrechterhalten werden sollte oder ob er in diesem Fall einfach bis zur Rückkehr in die Heimat der Helden eingefroren ist. Der Vorteil, die Lebensstil-Regeln auf Reisen zu nutzen, ist die Einfachheit, wie Helden ihr Geld verwalten
können. Argumente, wie dies auf Reisen funktioniert, gibt es zahlreiche. So könnte ein Held einen gesonderten Geldbeutel für Extraausgaben mit sich führen, den der Spieler nicht verwalten muss. Sollen die Lebensstil-Regeln ausgesetzt werden, hat dies den Vorteil, dass die Darstellung deutlich realistischer ist. Auch ein reicher Baron hat nun mal hunderte von Meilen weit weg von seinem Lehen kaum Geld, das er nutzen kann, um seinen üppigen Lebensstil zu finanzieren.

 

Publikation(en):
Aventurisches Kompendium 2 Seite 45ff.